
Tanz


Andreas Cyffka – Visual Storyteller
From Me To You With Love!


Es kommen riesige Regenmengen:
die regnen nicht einfach,
das wäre ja noch schöner,
nein, sie DROHEN zu regnen.
DROHEN ist das wichtigste Verb der deutschen Sprache:
Ich drohe, du drohst, er /sie/es droht.
Kein Wunder, wenn so vieles droht:
Die verängstigte Gesellschaft verroht.
Die Schönheit indes ist nicht auszutreiben
der aus den Fugen geratenden Zeit.
Enger geschnallte Gürtel sind immer noch weit
im Vergleich zum Ausdruck deines Gesichts
auf dem Fahndungsfoto, dieser geschlossenen Akte:
Verdammt warm bist du für einen Cold Case.
Im Vergleich zur hilflosen Lage und deren Auflösung,
deren Nie-Aufgelöstheit, Rätsel, Rätselhaft,
Rätseleinzelhaft, Rätselsippenhaft.
Ich decke zu dich – sei es nur bis zur Entdeckung –
mit Blättern und Vergebung und Liebe.
Ich gehe den Waldweg im März, stelle mir vor,
wie knospender Wald die Decke bereitet,
die kaltwarm dich hält bis zur Pilzsaison,
jener Waldsammlerin im Schrecken, im Angesicht, im Moment,
deinem letzten Geheimnis.

Raumstation Januar:
Nässe überfriert.
Am Steuer des Schneepflugs glaubt einer,
er sei Walter Röhrl im Audi Quattro;
Sprung zur Seite, dies hier ist nicht Monaco.
Eis glitzert wie ein lauerndes Krokodil,
besser heute Abend zu Hause zu sein.
Scheinwerfer der Normalbürger
durchschneiden die Winternacht
wie Laserkanonen;
im Winterschlaf noch die, die da wohnen.
Beim Sternsingen driftet das Herz:
Der Große Wagen röhrt:
Perchten, Kallikantzaroi!


Sekt in der Hand, gut gekühlt, klirrend kalt diese Edition.
Morgen gehe ich am Neujahrstag
mit Kinderaugen sammeln die wertvollen
Schätze, geheimnisvoll wie Ufos, abgebranntes Feuerwerk.
Zurück im Sorgengesicht die Kindernase morgen,
sauge gierig fasziniert den Pulverdampf der Nacht,
der Parfum des Prositmorgens wird.
Prosit Neujahr, wie wahr:
Möge es nützen, möge es helfen zu einem besseren Jahr.

Zwischen den Jahren
hab an den Haaren mich herbeigezogen,
mich kundig gemacht im Unbekannten.
Meinen Nachbarn trinken, feiern sehen,
verspätet Weihnachtsgrüße geschickt an die Wohlbekannten.
Zwischen den Jahren
hab aus Hochwasser mich gezogen
an unbekanntes Land – und siehe: Ich lernte.
Das Land in kurzem Frühlingszauber hab ich im Winter blühen sehen,
im Taumel dieser Saturnalien, bevor die Sonnen wieder untergehen.
Zwischen den Jahren
hab ich auch an dich gedacht
an Unverschämtes, nur Geträumtes – und siehe:
Die Erinnerung in kurzem Frühlingszauber hab ich im Winter blühen sehen
wie Bilder, die nie untergehen.

Unter der Bettdecke
unter dem Segen
unter uns
Im Advent
im Schneeschauer, im Regensturm
in Erwartung
Nach Hause, immer nach Hause
nach der Bescherung
nach allem, was war
Vor allem, weil es wahr ist
vor der Zeit, als wir erwachsen waren
vor Alpha und Omega
Zu dieser Zeit und ewig
zum Sterben kein Weg und zum Leben nicht zu wenig
zum Stall, mit Myrrhe und Weihrauch zum König


Dieme, Docke, Feime, Diemen, Hocke, Puppe, Hauste, Heubock, Heinze, Schober
Kriech hinein in deine jüngsten, deine duftenden Jahre
Indianer bedeckt, Schafgarbe-Totem, kein Pfahl, der Marter war
Grasbahnrennen, Grasbahnrennen
Egart, Egart, Egarthof
Die tollkühnen schwarzen Ledermänner rasten
im Rund, brannten ihr Knattern, ihr rauchendes Parfum
in dein ewiges Erinnern
Artemisia, Benzin, Benzoe, Herznote, V-8-Gitarre im Plüsch
wie ZieZie, ZieZie, ZieZie Top
Die Grasbahnmänner zeugten Helden des
Weiterlebens, in der Kurve des staubigen Ackers,
gerüttelt, nicht besiegt

Chrom, Orangen und Kaffee:
Es zischt und dampft die Maschine;
speist die fröhlichen Gruppen
mit neuer Kraft für die Festzeit.
Früh fällt der Abend, der Nebel,
Licht aus den Fenstern der Buchhandlung.
Café wärmt seine rotwangigen Gäste.
Stanniol, Lebkuchen und heißer Tee:
Überall dampft, weinglüht und raucht es.
Essen für die feiernden Truppen
der Heilsarmee.
Früh fällt das Licht, der Schnee.
Licht unterm Vorhang, heimeliger Vorgang:
Kristalle verzaubern silbrig die Äste.