Augustmorgen in einem Schwimmbad vor langer Zeit

Damenrad schwarz, Karbidscheinwerfer fast,

das nicht mehr, doch immerhin 60er-Jahre-schwer

oder eher 60er-Jahre-leicht, zukunftssicher?

Geparkt jedenfalls in sauberer Reihe.

Leicht bewölkt, sind da erste Nebel?

Raben, Stoppelfelder warm-kühler Morgen.

Der Duft von Chlor: Hockney-Wasser glitzert verheißungsvoll vorausgehend dem Bahnenziehen.

Danach: Zigarette, intellektuelle Ausweise werden

vorgezeigt: Dreiser und Stendhal.

Liegewiese dann, Terrasse später, cooler.

Wärmende Sonnenstahlen auf einem Weizenbier.

Bademeister schlurft unsterblich in seiner weißen Tennishose.

Bikinis halbtransparent.

Du holtest mich ab in deinem VW-Käfer:

Love you live von den Stones – die mit dem Warhol-Cover –

schallte entgegen der bürgerlichen Welt;

du nahmst mich mit auf die Fahrt,

die nie endet.

Rieger und Kranzfelder

Vom kleinen Zimmer zur Prachtstraße –

ein kurzer Weg schnell geschnürten Schuhs.

Wenn der Ruf kommt, wenn der Ruf kommt,

per Telefon oder besser gleich an der demokratischen

Pforte des Altbaujugendpalasts dein Klingeln.

Lass uns gehen, parfümiert, geschniegelt in unserer

Studenteneleganz, zukunftsoffen in

die Vergangenheitssättigung, in die reichen Schätze, die

es zu entdecken galt.

Da waren Bassanis Finzi-Contini

und Cy Twomblys Gekritzel in teuren Bildbänden,

teure Funken vom Amboss der Meister.

Stoned before Sunset –

unser Scherz, aus dem die Wahrheit pfiff.

Der Film aus dem Kino nebenan und das gerahmte

Cover von Dylan, das mit der Rose,

das hat dich und mich gesehen und ein Abenteuer auch

und dann – Erinnerung –

Tinto de verano (European Heat Dome)

Landkarte der Hitze breitet sich,

Spanien kommt zu Dir,

kommst du nicht zu ihm.

Im Hispano Suiza fahren wir

träumend um Gaudis Kathedrale,

duftend nach Salvador Dali,

schweißgebadet, aufgelöst

wie ein Glasfenster der Sagrada Famiglia,

Als Wanderer nackt in den Cevennen

steigen wir in wilde Flüsse;

entsteigen heiß dem Traum

in den frühen Morgenstunden,

Unbeteiligt blickt die Mondsichel

auf das Heu des heutigen Tages.

Das Duschwasser, Grand Sud,

wird im Sternenlicht zu Wein,

die Landkarte kontrahiert,

das Erwachen schweißnass.

Il vecchio Lamm (Öschelbronn)

Gewordene Vergangenheit.

Golden Heart.

Mark-Knopfler-Coolness.

I am in dire straits.

Die Rennfahrer kreisen auf ihrer gefährlichen Bahn.

Am Vatertag Gran Finale im Bierzelt

und der Regensturm fegt über die Besucher.

Kuchen in der Turnhalle im

Wettkampf mit einem Steak vom

Grill; der Rundenzähler hebt die Tafel:

round and round you go

Sieger, Sieger, egal welcher Runde.

Heuballensturz eines Fahres trifft mich fast

damals in Berichten, heute ins Erkennen:

Leben ist Rennen, Stürzen, Aufstehen.

Stuttgart (Neckarknie)

Im Gehäus sich nährend von Datteln und Cannstatter Zuckerle

könnte einer ewig sitzen überm Rund

der ewigen Stadt.

Reben sich reihend an Reihen von Reben.

Vom vorbeischippernden Käpt’n winken sie aufgeräumt

so einem Muschelkalk-Dionysos zu.

Dann passieren wir die Travertinsäulen,

abgestelltes Germania,

entnazifizierte Akropolis.

Zurück in der Stadt

brennt der Marktplatz lichterloh

in der Tag-Heuer-Hitze.

Eine G-Klasse an der Markthalle

wirkt in ihrem Wüstentarn merkwürdig vertraut,

ein Ferrari kontrastiert in seinem Rosso

wunderbar mit den gelben Müllsäcken.

Grazie Mülle!

Zuletzt dann der Goldene Hirsch

in einem ganz besonderen Biotop.

Das war das Land

Einer schoss die Straße von Hummus frei mit Kirschtomaten,

so träumte ich, in einer Märznacht.

Einer goss im Pfälzerwald mein Glas mir voll Traum,

erinnert, damals wahr.

Einer legte Neil Young auf: „I am the Ocean“

Vintage-Klipsch legten Donner auf die trocknende Straße nach dem Aprilschauer;

aus einem Fenster Bass – stark wie Jugend, übersteuert, Frühling Pubertät des Jahres,

das unseres werden würde.

So stand es enigmatisch einst auf den Trikots, im Duft der Reifen auf Asphalt:

How many Friends? She was hot! Shine on!

Quadrophonisch im Plattenladen, der Jeansboutique.

Mein Vater kauft mir den grünen Ledergürtel mit der riesigen Schnalle:

Ein gutes Geschäft – vom Café nebenan Kuchen zum Frühstück.

Das war das Land.

Die Saharasanduhr steht auf drei Viertel März

Die Saharasanduhr steht auf drei Viertel März.

Augen gerieben vor Pollen und Schwefellicht –

und dann der Riss im Himmel – Farbattentat:

Auf das Yves-Klein-Monochrom spritzt

ein pubertärer Nordwest eine schamlose Riesenwolke – schneeweiß.

Die Frühblüher zucken merklich zusammen

unterm Polarwirbel.

Im Laubhaufen ist noch Ruhe.

Noch nicht ganz Zeit für das Igelerwachen

in dieser stachelig reizenden Zeit.

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