
Herrenberg leuchtet


From Me To You With Love!


Damenrad schwarz, Karbidscheinwerfer fast,
das nicht mehr, doch immerhin 60er-Jahre-schwer
oder eher 60er-Jahre-leicht, zukunftssicher?
Geparkt jedenfalls in sauberer Reihe.
Leicht bewölkt, sind da erste Nebel?
Raben, Stoppelfelder warm-kühler Morgen.
Der Duft von Chlor: Hockney-Wasser glitzert verheißungsvoll vorausgehend dem Bahnenziehen.
Danach: Zigarette, intellektuelle Ausweise werden
vorgezeigt: Dreiser und Stendhal.
Liegewiese dann, Terrasse später, cooler.
Wärmende Sonnenstahlen auf einem Weizenbier.
Bademeister schlurft unsterblich in seiner weißen Tennishose.
Bikinis halbtransparent.
Du holtest mich ab in deinem VW-Käfer:
Love you live von den Stones – die mit dem Warhol-Cover –
schallte entgegen der bürgerlichen Welt;
du nahmst mich mit auf die Fahrt,
die nie endet.

Vom kleinen Zimmer zur Prachtstraße –
ein kurzer Weg schnell geschnürten Schuhs.
Wenn der Ruf kommt, wenn der Ruf kommt,
per Telefon oder besser gleich an der demokratischen
Pforte des Altbaujugendpalasts dein Klingeln.
Lass uns gehen, parfümiert, geschniegelt in unserer
Studenteneleganz, zukunftsoffen in
die Vergangenheitssättigung, in die reichen Schätze, die
es zu entdecken galt.
Da waren Bassanis Finzi-Contini
und Cy Twomblys Gekritzel in teuren Bildbänden,
teure Funken vom Amboss der Meister.
Stoned before Sunset –
unser Scherz, aus dem die Wahrheit pfiff.
Der Film aus dem Kino nebenan und das gerahmte
Cover von Dylan, das mit der Rose,
das hat dich und mich gesehen und ein Abenteuer auch
und dann – Erinnerung –

Landkarte der Hitze breitet sich,
Spanien kommt zu Dir,
kommst du nicht zu ihm.
Im Hispano Suiza fahren wir
träumend um Gaudis Kathedrale,
duftend nach Salvador Dali,
schweißgebadet, aufgelöst
wie ein Glasfenster der Sagrada Famiglia,
Als Wanderer nackt in den Cevennen
steigen wir in wilde Flüsse;
entsteigen heiß dem Traum
in den frühen Morgenstunden,
Unbeteiligt blickt die Mondsichel
auf das Heu des heutigen Tages.
Das Duschwasser, Grand Sud,
wird im Sternenlicht zu Wein,
die Landkarte kontrahiert,
das Erwachen schweißnass.

Gewordene Vergangenheit.
Golden Heart.
Mark-Knopfler-Coolness.
I am in dire straits.
Die Rennfahrer kreisen auf ihrer gefährlichen Bahn.
Am Vatertag Gran Finale im Bierzelt
und der Regensturm fegt über die Besucher.
Kuchen in der Turnhalle im
Wettkampf mit einem Steak vom
Grill; der Rundenzähler hebt die Tafel:
round and round you go
Sieger, Sieger, egal welcher Runde.
Heuballensturz eines Fahres trifft mich fast
damals in Berichten, heute ins Erkennen:
Leben ist Rennen, Stürzen, Aufstehen.

Im Gehäus sich nährend von Datteln und Cannstatter Zuckerle
könnte einer ewig sitzen überm Rund
der ewigen Stadt.
Reben sich reihend an Reihen von Reben.
Vom vorbeischippernden Käpt’n winken sie aufgeräumt
so einem Muschelkalk-Dionysos zu.
Dann passieren wir die Travertinsäulen,
abgestelltes Germania,
entnazifizierte Akropolis.
Zurück in der Stadt
brennt der Marktplatz lichterloh
in der Tag-Heuer-Hitze.
Eine G-Klasse an der Markthalle
wirkt in ihrem Wüstentarn merkwürdig vertraut,
ein Ferrari kontrastiert in seinem Rosso
wunderbar mit den gelben Müllsäcken.
Grazie Mülle!
Zuletzt dann der Goldene Hirsch
in einem ganz besonderen Biotop.

Einer schoss die Straße von Hummus frei mit Kirschtomaten,
so träumte ich, in einer Märznacht.
Einer goss im Pfälzerwald mein Glas mir voll Traum,
erinnert, damals wahr.
Einer legte Neil Young auf: „I am the Ocean“
Vintage-Klipsch legten Donner auf die trocknende Straße nach dem Aprilschauer;
aus einem Fenster Bass – stark wie Jugend, übersteuert, Frühling Pubertät des Jahres,
das unseres werden würde.
So stand es enigmatisch einst auf den Trikots, im Duft der Reifen auf Asphalt:
How many Friends? She was hot! Shine on!
Quadrophonisch im Plattenladen, der Jeansboutique.
Mein Vater kauft mir den grünen Ledergürtel mit der riesigen Schnalle:
Ein gutes Geschäft – vom Café nebenan Kuchen zum Frühstück.
Das war das Land.


























