Tinto de verano (European Heat Dome)

Landkarte der Hitze breitet sich,

Spanien kommt zu Dir,

kommst du nicht zu ihm.

Im Hispano Suiza fahren wir

träumend um Gaudis Kathedrale,

duftend nach Salvador Dali,

schweißgebadet, aufgelöst

wie ein Glasfenster der Sagrada Famiglia,

Als Wanderer nackt in den Cevennen

steigen wir in wilde Flüsse;

entsteigen heiß dem Traum

in den frühen Morgenstunden,

Unbeteiligt blickt die Mondsichel

auf das Heu des heutigen Tages.

Das Duschwasser, Grand Sud,

wird im Sternenlicht zu Wein,

die Landkarte kontrahiert,

das Erwachen schweißnass.

Il vecchio Lamm (Öschelbronn)

Gewordene Vergangenheit.

Golden Heart.

Mark-Knopfler-Coolness.

I am in dire straits.

Die Rennfahrer kreisen auf ihrer gefährlichen Bahn.

Am Vatertag Gran Finale im Bierzelt

und der Regensturm fegt über die Besucher.

Kuchen in der Turnhalle im

Wettkampf mit einem Steak vom

Grill; der Rundenzähler hebt die Tafel:

round and round you go

Sieger, Sieger, egal welcher Runde.

Heuballensturz eines Fahres trifft mich fast

damals in Berichten, heute ins Erkennen:

Leben ist Rennen, Stürzen, Aufstehen.

Stuttgart (Neckarknie)

Im Gehäus sich nährend von Datteln und Cannstatter Zuckerle

könnte einer ewig sitzen überm Rund

der ewigen Stadt.

Reben sich reihend an Reihen von Reben.

Vom vorbeischippernden Käpt’n winken sie aufgeräumt

so einem Muschelkalk-Dionysos zu.

Dann passieren wir die Travertinsäulen,

abgestelltes Germania,

entnazifizierte Akropolis.

Zurück in der Stadt

brennt der Marktplatz lichterloh

in der Tag-Heuer-Hitze.

Eine G-Klasse an der Markthalle

wirkt in ihrem Wüstentarn merkwürdig vertraut,

ein Ferrari kontrastiert in seinem Rosso

wunderbar mit den gelben Müllsäcken.

Grazie Mülle!

Zuletzt dann der Goldene Hirsch

in einem ganz besonderen Biotop.

Das war das Land

Einer schoss die Straße von Hummus frei mit Kirschtomaten,

so träumte ich, in einer Märznacht.

Einer goss im Pfälzerwald mein Glas mir voll Traum,

erinnert, damals wahr.

Einer legte Neil Young auf: „I am the Ocean“

Vintage-Klipsch legten Donner auf die trocknende Straße nach dem Aprilschauer;

aus einem Fenster Bass – stark wie Jugend, übersteuert, Frühling Pubertät des Jahres,

das unseres werden würde.

So stand es enigmatisch einst auf den Trikots, im Duft der Reifen auf Asphalt:

How many Friends? She was hot! Shine on!

Quadrophonisch im Plattenladen, der Jeansboutique.

Mein Vater kauft mir den grünen Ledergürtel mit der riesigen Schnalle:

Ein gutes Geschäft – vom Café nebenan Kuchen zum Frühstück.

Das war das Land.

Die Saharasanduhr steht auf drei Viertel März

Die Saharasanduhr steht auf drei Viertel März.

Augen gerieben vor Pollen und Schwefellicht –

und dann der Riss im Himmel – Farbattentat:

Auf das Yves-Klein-Monochrom spritzt

ein pubertärer Nordwest eine schamlose Riesenwolke – schneeweiß.

Die Frühblüher zucken merklich zusammen

unterm Polarwirbel.

Im Laubhaufen ist noch Ruhe.

Noch nicht ganz Zeit für das Igelerwachen

in dieser stachelig reizenden Zeit.

Harvest Moon

Da steht der alte Kamerad,

dieser Theaterscheinwerfer of sorts,

sehr selbstbewusst im Osten.

Wissend um sein nahendes Ende im Westen.

Die Nacht nur, nur die Nacht bleibt ihm – wie im Leben.

Ende besiegelt in den frühen Morgenstunden.

(Nur die schlaflosen Alten werden Zeugen sein!)

Bevor ein Boomer zum Kaffee wankt,

erlischt der Riese noch vor den Straßenlaternen.

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