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Erste Schritte

Weihnacht

Die inneren Kinder jubeln, tanzen silbern über

den ersten Schnee.

Die Alten, die sie waren, derweil

mürrisch nagen an Frost und Weh.

Messer, Käse, Brot und Wein:

Gestärkt das Leinen, klirrend der Ast

im Mantel aus Reif.

Chianti leuchtet im Rund aus Bast.

Zimtsterne ziehen den Schweif

über das Zelt dieser Nacht.

Rund um die Feuerstelle

von Kerzenwachs und Butterbratschwaden

tanzen Figuren und Becher von Zinn.

Ich gedenke Geschenkpapier faltend der Spielkameraden

und bis zum Abend bedecken Bart und Schnee mir das Kinn.

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Regen spät in der Nacht (Insomnia Grammatica)

Regen spät in der Nacht:

Wer jetzt wacht

im Prasseln, im Ticken, sich

findet in Leuchtziffern,

der wird reflektiert

tausendfach im Widerschein

des Nachtlichts

an der Wand.

Regen spät in der Nacht:

Wer jetzt wacht

im Wald der Tiere, im Stroh, sich

windet in Wiederholung des Immergleichen,

Mantra der Morgenstunde,

der bringt zur Sprache, der setzt ins Wort.

Davide

Härter und finaler als dein Antritt auf der Straße

trifft die Nachricht uns ins Herz.

Diese hohen Wagen transportieren unseren Schmerz.

Dass Wagen, die Güter bringen unserem Leben,

einem eben jenes nahmen, der

nun am Boden unter einer Decke liegt,

dessen Seele nun zu jener anderen Straße fliegt,

auf der so viele fahren in warmem Sonnenlicht,

das ist jenseits unseres Wissens, nur im Feld des

Ahnens.

Mohnblumen und vielleicht ein Kreuz

an einer Straße: Mondfinsternis an

einer Kreuzung, an einer Straße.

Dichternacht

Alle Lampen im Haus gelöscht

bis auf das Salzlicht

Auf der Straße Herbstsegel

Blätterboote auf großer Fahrt

schweifende Lichtkegel

dann wird es leer

Verschwebende Stimmen – Spätheimkehr

Zur Sprache kommen

die von der Leine gelassenen Wörter

Im Licht des neuen Tages werden zu prüfen sie sein

Chrom, Orangen und Kaffee

Chrom, Orangen und Kaffee:

Es zischt und dampft die Maschine;

speist die fröhlichen Gruppen

mit neuer Kraft für die Festzeit.

Früh fällt der Abend, der Nebel,

Licht aus den Fenstern der Buchhandlung.

Café wärmt seine rotwangigen Gäste.

Stanniol, Lebkuchen und heißer Tee:

Überall dampft, weinglüht und raucht es.

Essen für die feiernden Truppen

der Heilsarmee.

Früh fällt das Licht, der Schnee.

Licht unterm Vorhang, heimeliger Vorgang:

Kristalle verzaubern silbrig die Äste.

Meine Zeit

Als der Katar-Scheich sich mit Spielerfrauen anlegte,

war die Mobilisierungswelle schon hoch.

Ein Asteroidenhagel wurde abgewehrt

von einer einzigen One-Love-Binde –

die trug noch nicht einmal der Kapitän,

denn der hatte das stinkende Schiff schon verlassen.

Ich hackte auf meinen Wasserhahn,

duschte so kalt und so kurz wie

gekräuselte Haut,

sammelte Konzentration und Wasserstrahl in der Körpermitte,

zog den Strahl dann hinauf zum Herzen:

Here ’s to you Nicola and Bart:The last and final moment is yours

That agony is your triumph.

Ich loggte mich aus aus dem asozialen Netzwerk,

hob die Nadel vom rotierenden Vinyl.

Stoppte das Kreisen der Platte,

legte mich ins Nachtasyl.

Ich nahm unbezahlten Urlaub

vom Heute.

Ich segnete alle Leute.