Celeste

Schwingen des Celeste in allem, in allen Knospen,

in aufbrechenden Blüten und ewigen Baustellen.

Riechen des Celeste im Strömen des Abends – wie ein Fluss

durch imaginäre Reisfelder ins offene Delta

der Brille mit dem Goldrand.

Schwingen des Celeste in allem, in allen Alterungen,

in sich schließenden Kapiteln und ewigen Wunden.

Riechen des Lebens im Strömen des Morgens – wie eine Erinnerung

kraftvoll durch innere Räume ins offen Delta

mutig begegneter Zukunft.

Sehen des Celeste in alten Katalogen,

konservierten Papierseiten und ewigen Sehnsüchten.

Spüren des Celeste im gealterten Körper – wie eine DNA

verliert es nicht an Kraft, wie ein Gebirgsfluss vom Himalaya

sich stürzt ins fruchtbare Reisland:

unter dem Helm die Brille mit dem Goldrand.

Abend vor Karfreitag

Elektromagnetisches Flirren des Spätwinters

verkleidet im Rhythmus der Sufi-Trommeln

als überstrahlender Sonnengott

gibt scheidender Winter uns Trockenheit

und scharf bläst der Wind das Grell vom Himmel

in die wehrlosen Knospen

die blühen wollen, dennoch sie blühen am Stein

Grau wallendes Stauben des Wüstensands

sich nähernder archaischer Trommelschlag

sanfte Göttin der Fruchtbarkeit

gibt anschwellendes Jahr uns sanften Regen

und weich salbt das Wasser den Riss vom Acker

dringt in die bereiten Wurzeln

die drängen, immer drängen sie sogar durch Stein

Elektromagnetischer April

Puttenknabe auf dem Brunnen,

angekommen am von Bokschen Bau.

Überwältigt von des Rundblicks Größe –

ja, wirklich, lass es so einmal sagen: Viel mehr der Blick als ein „Panorama“.

Aprilsonne heiß, ungewöhnlich, ignoriertes Ozonbrennen,

nimmt keine Würde – niemals – von zierlichen Erkertürmen seit dem „Weltende“.

Vor der Fassade stehen, ehrwürdig gewidmet, in

Stein gemeißelt, schön, dass man das auch wörtlich sagen kann.

Schau hinauf zu abgeschotteten Bereichen,

stell mir vor, da wäre eine Spur von dir im Flackern des Vorhangs,

den nur der Aprilwind zu bewegen scheint.

Geh den losgerissenen Weg einmal noch zurück zu dir:

Da wird sich nichts mehr ändern.

Stehe vor der Wand;

du standest mit dem Rücken zu ihr,

um deine Verlorenheit wissend,

nahe auf einem Waldstück die Zukunft.

Bin an der Stelle gestanden:

Hast du mich gespürt?

Nicht vor dem Puttenknaben, nicht

im letzten bergenden Gehölz,

sondern da draußen,

verborgen geborgen im Blau,

„Remember me“?

Ich erinnere dich.

Frühjahrsandstrahlung

Winterschlaf, der keiner war: vorüber.

Keinen trifft es ausgeschlafen.

Zum Licht ziehen, vertrauensvoll, lernen von den Schafen.

Flirrendes Land, Sonnensturm benommen,

Wüstenstaub auf den Fenstern,

Staub fällt im Zusehen auf die Möbel.

Da kannst du wischen und wischen,

du kannst ein Gedicht schreiben oder mit dem Finger ein Herz malen

auf die Fensterscheibe, ein Zeichen setzen in die Vergänglichkeit.

Drüben über dem verlassenen Bach steht der Vollmond.

Die Erschöpften kommen erst morgen wieder.

Sie sollen gut schlafen, unermessliches Leben

in diesem Wasser.

Aus dem Vinyl

Aus dem Vinyl – die Scheibe dreht sich –

steigt ein Parfum, versteht sich, nur metaphorisch.

Denn wie soll schwarzer Kunststoff riechen?

Nach Jugend vielleicht, nach längst vergangenen Tagen,

an Dichterabenden im Sturm, im Regen soll

er riechen – den Göttern zu: per fumum.

Schwarzes Gold, dich einst zu verleihen

war ein Beweis von Liebe,

übertroffen nur vom Aufnehmen einer Kassette;

zerkratzt erhieltest du deine Scheibe zurück,

pikiert das Zurückstecken in die Hülle:

Mittelschwere Bedenken hinsichtlich der von dir verursachten Mutterschaft

der Leihhörerin.

Zum Vinyl habe ich keine Fragen, nur zum Verbleib der

Ausleihenden, die noch still rotieren

auf dem Plattenteller: kein Arm senkt sich, kein Ton

erhebt sich, kein Ton, nirgends.

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Erste Schritte