Fronleichnam (Hugo von Hofmannsthal)

Von Glockenschall, von Weihrauchduft umflossen,

Durchwogt die Straßen festliches Gepränge

Und lockt ringsum ein froh bewegt Gedränge

An alle Fenster, – deines bleibt geschlossen.

So hab auch ich der Träume bunte Menge,

Der Seele Inhalt, vor dir ausgegossen:

Du merktests kaum, da schwieg ich scheu-verdrossen,

Und leis verweht der Wind die leisen Klänge.

Nimm dich in acht: ein Tag ist schnell entschwunden,

Und leer und öde liegt die Straße wieder;

Nimm dich in acht: mir ahnt, es kommen Stunden,

Da du ersehnest die verschmähten Lieder:

Heut tönt dir, unbegehrt, vielstimmiger Reigen,

Wenn einst du sein begehrst, wird er dir schweigen.

Junimond

Bratfettbadewasser,

Samstagabend-Hautcreme.

Junischwüle Winde tragen Erinnerung heran.

Zu frühes Erwachen in diesem Mittsommer ohne Wallander: Fuga senilis.

Ein Bild deiner Köttbullar kannst DU DIR an die Wand hängen:

Fjick schön!

Wenn Sich-nassregnen-Lassen einer der letzten preiswerten Genüsse ist,

dann schau dich doch an, schau di do oa:

Dick bist du, nass im Schauer, mit geröteten Augen vom aufgelöst fließenden Haarwachs,

das fließt über dein Doppelkinn: Falling Water– du bist Kunst, doch

keine Sau kennt dich.

Das genau ist vielleicht deine Überlebenschance,

sonst wärest du ein Mauerrest, ein Ackermann-Altar.

Da waren die Heiligen

Da waren die Heiligen:

schritten durch März-Elektrostatik und

psychedelisches Flimmern an der alten Psychiatrie.

Da, genau da: am Verwechselschloss,

also hinter der Augenklinik, für Eingeweihte,

da schritten sie, verharrten von einer Sekunde auf die

andere in befremdender Starre,

beschnüffelnd die rätselhaften Touristen.

Die Heiligen gerieten in Schweiß im April

dem heißesten Monat der Wetteraufzeichnung.

Da waren die Heiligen, entstiegen

obsolet gewordenem Eis, liebten

der Sterblichen Schweiß so sehr,

dass sie sich opferten in Gewittern;

da hielt nichts mehr die Tiere hinter Mauern oder Gittern.

Da wurde Sommer und die Monate ziehen ins Land:

Hitze auf Schiene, Blattwerk und Sand.

Die auf Rädern

Die auf Rädern,das waren wir,

zumeist, manchmal auch am Ball;

am schönsten nach dem Sommerregen,

Turnschuhspuren auf Waldwegen,

freigegeben das Spielfeld.

Ihr könnt euch schmutzig machen

auf dem Spielfeld, in der Umkleide.

Wasser auf Beton fließt ab in die Rinne.

Hohe Bäume bekränzten die Jugend

im feuchten Frühsommergold , abendgoldtemperiert war

die Sonne.

Das Schaufenster naseplattgedrückt.

Hat dich die Konkurrenz geschickt?

Scherzt der Inhaber des Radladens.

Objekt der Begierde, Raumschiff in eine neue Welt.

Ich fragte „Was ist „GIMONOL?“, dabei stand

„GIMONDI“ auf dem einfachen Stahlrahmen,

bald durch mehr Wissen zu ergänzen.

Kauf einer Wollhose mit Lederpolster

(zu waschen ausschließlich von Jungfrauen im Licht des keltischen Vollmonds);

da waren schwarz-rot-goldene Streifen auf

dem Trikot mit den Strickbündchen.

Da waren neu zu entdeckende Straßen,

unvernünftig weite Exkursionen,

da waren Höfe entlang der Straße

so gut wie Schlösser,

und manchmal adelige Schlösser waren sie auch.

Da waren Torbögen und Sonnenuntergänge

und Zukunft ohne Ende.

Da waren Eingravierungen,

nicht Tätowierungen,

nicht Vollbärte.

Gravel ohne Bike.

Bike ohne Likes.

In the Garden.

Sommerabend, Sommerregen.

Dem Grün jungen Weizens fährt keiner davon.

Juni kam

Juni kam:

goss absinthfarbenes Grün

über Zuckersonnenstrahl

ins hoffende Vergessen;

schoss Wasserschrotmunition

am Ende eines heißen Tages

auf bereitwilligen Asphalt:

Petrichor stieg auf als erlöster Staub.

Thor und Zeus lachten über Regenschirme:

gut Lachen haben die im Olymp.

Konklave

Vergangene Gewissheit

nicht mehr

Gewissheit, die einst verstört

wird vermisst, wenn nicht mehr sie ist

Welch Gespräch, welch Streit

könnte im Licht des Heute besser bewältigt

werden, uns bleibt nur überwältigt

zu werden vom Unpersönlich-Größeren

Kein Grund zur Trauer dies, zum Größeren

hin ohnehin unser Weg

Besieger unserer Angst sei das Größere

Aufsteigender Rauch

Habemus SINN

Habemus Papam

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