Sommer

Das erste Licht.

Der erste Kaffee.

Die erste Motorsäge.

Die letzte Kühle der Nacht.

Der erste Rasenmäher.

Die erste Liebe.

Das erste Gedicht.

Das vierte Blaulicht.

Die erste Begegnung.

Die Luft flimmert schon.

Es riecht blau nach Feuerzeugbenzin.

Du steckst mich an.

Das Sonnenlichtmuster bricht

sich durch den Rollladen.

Ich überreiche es dir – mundgerecht.

Sonne an Flüssen

Sonne an Flüssen,

Lachen auf Schiffen, auf Terrassen.

Du strahlst.

Einer ist wohl sympathisch:

Fotomacher, Porträtist

des Tischgeschehens,

Vermesser des Sommertages.

Symposiarch der Gedecke.

Du strahlst.

Überstrahlst

mit deinem Charisma.

Unwiderstehlich dein Mix

aus Jugend und Special Interest.

Zu heiß

Es ist zu heiß, um Eis zu essen.

Zu heiß, um dich zu vergessen.

Es ist zu heiß zum Baden.

Heiß genug für Krämpfe in den Waden.

Es ist zu heiß, um auf flirrenden Straßen zu gehen.

Zu heiß, um klar zu sehen.

Es ist zu heiß, um zu denken.

Heiß genug, sich auch diesen Tag zu schenken.

Es ist zu heiß für die Journalisten, um zu schreiben.

Zu heiß, um noch am Boden zu bleiben.

Es ist zu heiß jetzt für Metaphern, die wie angegossen sitzen.

Heiß genug für schmelzenden Asphalt

und zerflossenes Lachen unter neuen Hitzen.

Hundstage

Canis Major!

Nacht von grandioser Majestät.

Wir neigen uns bis zu den Sandalen, dem

Sommerkleid.

Heimziehende Bacchanten wir,

Vulkans Hammerschlag formt

die Bronze der Nacht.

Das Blau wird still; es ahnt den neuen Tag am grauen Rand der Stunde Null;

wird violett und rosa, Glanz hinter sich lassend in

unseren Augen.

Das war es wert:

Wir haben uns und die Sonne gesehen.

Hitzewelle

Im Lokal kann die Temperatur lokal

etwas erreichen, auf den Thermometern,

in den Badehosen. Die Wahrscheinlichkeit von

Wetterereignissen steigt dramatisch,

auch du blickst schon seltsam.

Es ist heißer, als du es kennst und

heißer als du denkst.

Das Blau des Himmels am Tagesende

zerkocht zu Grau und prallen Feldern.

Edward-Hopper-Tankstelle an unserem Ortsrand,

warum mutiert sonst ungeliebter Benzindunst

zu Sommernachtskino?

Mustangs beim Stopp, auch große Pferde müssen mal,

eine Harley knattert davon in die Nacht,

frisst schmatzend die Dunkelheit wie eine Wildsau.

Springsteen-Tankstelle

nur für kurze Zeit.

In the heat of the Night

Fehlt jetzt nur noch, dass einer ein Saxophon bläst,

dass einer noch kokett mit auf das Bild will.

Was glaubt er nur von dem Mann,

der Sonnenblumen fotografiert?

Und Randy Newman spielt dazu Falling in Love,

you are falling in love,

maybe you are falling in love.

Mercier

Geheimnisvollste der Ikonischen –

Celeste Bianchi auf ewig im Mai des Giro

Blu Gios – für immer eins mit Brooklyn,

Seidiges Blau-Weiß-Rot

Peugeot – Thevenet – Silber:

Glorie schwarz-weißen Karos –

der Löwe brüllt.

Mercier, Mercier!

Pastelliger Juli-Lippenstift,

Sommerfeld -Hitze, Flacon du!

Lavendelluft –

auf den Asphalt des Südens

geschrieben,

eingedickt in den Schweiß und

die Hitze, schockierend entdeckter Sex, spontan,

wir reisten im großen, schwarzen Citroen.

Tropfende Käse, Lavendelfelder,

alte Mauern, Spuren der Tour,

in Landstraßen tätowierte Namen

der Landstraße.

Jazz Me

Carcassonne,

Amphitheater – Karkasse der Sonne.

Tik, Tok, Tik:

Besen streicht Becken,

zu rollen beginnt der Bass.

Cool Cat, Summer in the City

Die Sonne geht unter und sie geht wieder auf.

Das Leben nimmt Anlauf und es geht zum Himmel hinauf:

Lift us up where we belong

Jedem sein Solo, im Licht für eine Zeit,

Note für Note, Kurve um Kurve,

Serpentine, Highway, Route 66,

Chor gospelt in den Wolken,

und in der Nacht spiegeln Klänge

sich im trägen Fluss.

Georgia on my mind

Good night, ladies, good night, sweet ladies, good night

Sommerabend

*

Wie eine überreife Frucht

süß, so voller Süße,

alkalisch raue Schale,

Saft tropft auf die Hände,

die schwieligen Blueshände am Gitarrenhals.

Manchmal der Schlag auf den Korpus,

Anblasgeräusche –

Jazz ist Sex an solchen

Abenden.

Hell noch im Westen,

Do not go gentle into that good night.

Türen, Terrassen, Fenster, Balkone, Leben,

alle offen nun, einer grillt am Garagentor.

Got my mojo workin‘!

Auch du warst einer, der vor Erhalt der akademischen Würden

sich einst frei machte von der Windel,

jawohl – mitten im Innenhof.

Teşekkür ederim.

So können wir alle von einander lernen.

Der Geist Woodstocks in den Bildern,

das Paar umhüllt von der Decke.

Sommer macht die Welt weit.

Rage, rage against the dying of the light.

Rock Of Ages

Ich liebe Pete Townshends kreisenden Arm

vor dem Donnerakkord.

Wolfgang Joops gütigen Blick,

wenn er die Schönheit umarmt.

Ich liebe Mick Jaggers Lächeln,

die kleine Berührung des Arms seiner Duettpartnerin.

Bob Weirs Schnurrbart und

die Wall of Sound.

Keiths verhangene Liebe zum Leben,

das Taumeln von Crazy Horse durch den Sommer.

Ich duschte im eigenen Schweiß,

kaltes Bier aus dem Plastikbecher schwappte mir Kühlung

ins heiße Gesicht.

Ich inhalierte Knoblauch, Echo und Parfum,

Feuer, Bilder und Haut.

Sah die dunkle Seite des Mondes,

Grateful Dead über den Weizenfeldern,

der Beat, Pianoläufe in der Nacht, der Beat.

Van Goghs Glissandi glitzerten im Morgentau,

Über dem Rand des neuen Tages der Beat.

Vom Haben und Fehlen

Ich weiß nicht: Was hast du?

Ich meine, dass dir etwas fehlt.

Wie kann einer etwas haben,

wenn es ihm doch fehlt?

***

Ich weiß nicht: Wo bist du?

Ich meine, dass du dich verschattest.

Wie kann einer nichts mehr sehen –

außer dem Kleid, das du anhattest?

***

Ich weiß nicht: Wie geht es dir heute?

Ich meine, du bist immer noch nicht wie die Leute.

Wie kann einer sich beschäftigen mit Tagezählen?

Es gibt lustvollere Arten, sich zu quälen.

***

Ich weiß, was du hast.

Ich meine, dass dir etwas fehlt.

Nester im Schattenlaub –

Eine Geschichte, die der Wind erzählt.

***

Ich weiß, wo du bist.

Ich meine, da auf dem Bild, ganz links am Rand,

da nimmst du dich zurück.

Das ist sehr fotografisch gedacht,

ich wünsche dir nur Glück.

***

Ich weiß nicht: Wie geht es dir heute?

Vermutung meine Profession.

Worte, heilsame Worte

mein Lohn.

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