Die Reichtümer

Weit nach Mitternacht stehen wir ohne Publikum

nackt unter Orion.

in the wee small hours

Bekommen den Tag kaum in uns verpackt.

Im Nightliner nach diesem Tag

glücklich und unruhig unser Schlaf.

Auf Tour dem entgegen, was uns morgen erwartet,

was wir morgen verschlingen,

die Fotos und Farbeimer, die Muster und

die Riffs, die Gedichte und Entwürfe,

die Romane und Menschen,

das schöne Gesicht in der Masse.

Unser Bassist fernes Grollen unterm Wetterleuchten,

Herzschlag unser Drummer – lässt keinen Beat jemals aus.

La Grande Bellezza,

Cold Cream und faltenfreies Altern,

doch Dürre über der ewigen Stadt,

Morricone – nicht on the rocks, auf Hungersteinen serviert.

Das innere Kind unser Leadsänger

Guten Abend irgendwo, wir lieben euch!

Sommersturm

Sommerleuchtfeuer.

Erste Tropfen, Petrichor.

Hagelsalzstreuer –

eine gute Portion auf die Welt.

Horizont schon heller,

überlaufende Keller.

Platzregen, Tropfen springen.

Kanal schwillt an.

Straße Wildwasserkanustrecke,

Palmen hinter der Hecke,

hier im Monsun ohne Elefanten,

Sommerchampagner, Überdruck.

Korken fliegt zum Regenbogen,

dann Wetterleuchten, Blitz,

Petrichor, Petrichor, Blut

der Götter!

Nach dem großen Regen

kaum kühler, kommt die Nacht,

mit ihr kommt Wind auf,

die Bäume wiegen sich im Tanz,

dann in den grünen Schlaf.

Augustabend

Sommertage steigen immer noch im Wert

mit dem Goldpreis der untergehenden Sonne.

Augustabend warm wie Badewasser.

Der Erhabene spricht mit vorgehaltener Glutpistole

zum Land: Keine Bewegung!

Die Luft zeigt keine Regung.

Aus offenem Fenster hallt es:

And the wind cries Mary

Auf Terrassen erwärmen sich die Biere.

Rasenmähroboter weiden in Gärten

wie prähistorische Tiere.

Augustabend warm wie Badewasser.

Es geht die Prozession der Schwimmbadverlasser.

Aus altem Stereo zieht es herüber:

And the wind cries Mary

Die Nachrichten werden abgeräumt:

Die Reste von Straftaten und Amokläufen

und Kriegen, die beiden Verlierer der neuesten Schlacht.

Ihr Blick folgt den Wolken.

Sein Blick den Ameisen.

Sie legen ein Lesezeichen für heute in die Erzählung.

Dann wird es purpurblaue Nacht.

Enigma

Standest einfach da,

sitzt zufällig mir gegenüber.

Vertieft in die Wischbewegung deiner Generation,

kennst selbst dich nur zur Hälfte;

jede Menge unentdecktes Gebiet auf so kleinem,

sonnengebräunten Raum.

Zeichnetest dich ab,

sommerlich deine Achselhöhle;

Träger, Restliches

mit einer Handbewegung;

Sonne schwitzt dich feucht,

doch du bleibst cool;

Sonne in deinen Haaren,

Schulter – Hühnerbeinchen

zum Fressen.

Karmann Ghia

Als alle „Dschia“ sagten, auf dem Weg

ins Land der Zitronen,

alle, in deren Gärten heute andere wohnen.

Da war ein Garten, eine riesige schwarze Schreibmaschine

neben dem Mirabellenbaum.

Es gab ohne Internet genug zu schauen.

Es gab mich und ein leeres Blatt weißes Papier,

nicht vollständig leer, da waren Zeichen.

Schnurrbärte, Koteletten auf der strada del sole,

Hedonisten höchst ambivalent,

die Professoren wurden oder ihr letztes Hemd

tauschten gegen die letzte Chance,

gegen den letzten Ort.

Und wir fahren noch einmal in

Eleganz – Citroën Déesse, schwarze Göttin

der Hitze, sieh die Namen der Helden geschrieben

auf schmelzenden Asphalt, sieh das

Straßenschild weisen nach Montreux.

Und wir fahren so lange, so lange,

wir fahren bis heute ans

Grab des unbekannten Soldaten.

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