Osterfeuer

Feuer brennt:

Sieh das Feuer brennen!

Größer als  Dunkel der Nacht.

Wind kommt aus der Dunkelheit,

überwindet, Glocken läuten.

Blüten,  Zweige sich vermählen,

Brautschleier noch im Eis

Acker öffnet sich in Stille: nehmender Grund.

Wuchtige Pinselstriche auf des Meisters Leinwand,

zart-grob verrätselte Gravur im Menschsein.

Alle künden wie das leere Grab

Von dem Guten nur.

Karfreitag

Früh aufgewacht

und Nase in den Wind,

der junges Gras und Schnee mit sich bringt –

und Regen und Segen; das alles in der Stille des

Morgens schwingt.

Die Nacht streift ihr Samtkleid ab mit

dem ersten Tageslicht;

zwischen Rotwein und Kaffee,

da läuten Osterglocken im Schnee

zwischen Wagner und Hardrock und Ingwer

und Maibock, Kandinsky und Klee und irgendwo

Lovis am Walchensee.

Sommerzeit

In kollektiver Pubertät an der Uhr drehen,

Drehe durch, drehe nach vorn!

Mal sehen, was wir morgen verkatert sehen:

Den Sommer, dein Ernst, wirklich?

Das kann nicht sein, dass ich friere.

Oder doch: Es riecht nach Gras.

Da wurde irgendwo gemäht?

Bevor die Lämmer geboren sind,

die schweigen bis zum Goldfoliensonnenaufgang der Lindt- Hasen.        

Zu verwirrt bin ich – im Morgendunkel,

im geborgenheitsdunkelsuchenden Abendhell verirre ich mich.

Ich begehre – nein: fordere – Gnade.

Sommer braucht Zeit.

Ahnung sollte heilig sein und zart.

Ein Geschenk gibt man nicht zurück.

Irgendwo

Märzsonne flimmert durch schmutzige Fenster

Licht brennt den Staub in die Möbel

Und irgendwo denkt vielleicht einer oder eine an dich

Der Winter will nicht weichen

Einer müsste die Wand mal streichen

Dich gibt es nur für keinen wie mich

Aschermittwoch

Ackerduft, Konfettiregen,

Schneeglöckchen – Vorwegnahme

der Wiederauferstehung, krass übersonnt.

Uniformen-Kinderspiel voll Weisheit,

Masken und Felle

und Männer im Laubkleid.

Bacchanten – und dann:

Strenger Rahmen, grau,

geordnet, verascht und doch

farbig durchbrochen: Mondrian,

Hinterglasmalerei.

Ein Kirchenfenster im Sonnenaufgang,

ein Eliot-Gedicht:

These und Antithese,

glückliche Fahrt in ihrem Spiel:

osterwärts.

Aeromantist

Rotland, Gelbland, unter blauer Kuppel, schafbestanden.

Gold, das wir unter Blättern fanden.

In deiner Mitte halt ich inne, hörend,

bis noch der letzte Laut verhallt vor dem Herzschlag.

Wer streut Vogelpunkte in das blaue Zelt?

Breitet Schleier über die verdünnte Welt?

Der Sommer ist nun destilliert;

in der Mondkaraffe reift er betörend durch die helle Nacht.

Licht bricht sich in den Bäumen, nackten Ästen.

Auf den Wegen verstreute Farbenkästen.

Vom Maler nichts zu sehen:

außer einer Signatur in allen Dingen.

Winterwald

Schnee knirscht unter dir.

Stiller Moment, doch innen laut,

drüben Tierspuren schwach, Tanne blaut.

Specht hämmert

und es dämmert

fast schon wieder.

Durch Bäume flirrt das Licht,

Schnee sich um die Äste flicht.

Pfote, Spur, Feder, Gehäuse:

Sie habe ich im Wald erlernt.

Helles, kaltes Blau – Stufen von Grau.

Im Schatten dunkeln duftend Tannen.

Kopfnote von Harz

erstarrt im Wasserfall zu Quarz.

Der Wald macht sich zur Nacht bereit.

Ob es morgen wieder schneit?

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