Augustabend

Ihr Blick folgt den Wolken.

Es geht die Prozession der Schwimmbadverlasser.

Sommertage steigen immer noch im Wert

mit dem Goldpreis der untergehenden Sonne.

Augustabend warm wie Badewasser.

Der Erhabene spricht mit vorgehaltener Glutpistole

zum Land: Keine Bewegung!

Die Luft zeigt keine Regung.

Aus offenem Fenster hallt es:

And the wind cries Mary

Auf Terrassen erwärmen sich die Biere.

Rasenmähroboter weiden in Gärten

wie prähistorische Tiere.

Dann wird es purpurblaue Nacht.

Augustabend warm wie Badewasser.

Aus altem Stereo zieht es herüber:

And the wind cries Mary

Die Nachrichten werden abgeräumt:

Die Reste von Straftaten und Amokläufen

und Kriegen, die beiden Verlierer der neuesten Schlacht.

Ihr Blick folgt den Wolken.

Sein Blick den Ameisen.

Sie legen ein Lesezeichen für heute in die Erzählung.

Feuerküste

Ich dachte an Muhammad Ali und den Kellner –

lauschend der Rauchverbotszone

in jener Mehrzweckhalle des Geistes; die Agora vor

dem Himmel aus blauem Blei.

Ich las bei Kundera von Stalins Sohn, der 

Latrine, der Hybris;

in der weiß gefliesten Kabine sah ich sie;

Neon und gleißende Keramik, besudelt,

verräterisch in der Anmaßung.

Wer tränke Tränen-Martini mit Mason Verger?

Gibt es einen? Es gibt einen.

Beim Wort „Gericht“ fällt salziger Tropfen

in den Obstbrand – doppelt genießt das

einer im Lungenasphalt.

Kaiseki

Kalter Wind jagt plötzlich durch den Sommer.

Warmer Stein gegen den leeren Magen

gepresst unter dem Tuch.

Zweigtee bereite ich auf gemähtem Feld:

bitterstark austarierend die Süße des Seins.

Breite mein kostbarstes Geschirr

auf trockenes Laub – immerhin bereits Laub so viel Blattwerk,

jetzt, wo alles zu fliegen scheint:

Blätter und Vögel und Regentropfen.

Komposition, Maß und Farben,

präzises Vermessen, Klarwerdung

und Stellungnahme: Die große

Forderung

stellt über das karge Mahl nun

der Sturm.

Sommerregen

Ich suche ein Parfum,

das nach Sommerregen riecht.

Heftig und leicht müsste es sein,

zum Ausklang abgerundet von

Sonne.     –  

Da haben wir etwas im Angebot,

günstig, gar kostenlos zur Not.

Es fällt vom Himmel, genau in jenem Moment,

als du mich ansiehst, die Kapuze enger ziehst

um dein lachendes Gesicht.

In einem Schweizer Grandhotel

Wäre ich ein großer Sänger oder Dichter,

ein Star, geliebt vom Publikum und meinesdichtergleichen,

dann ginge ich in ein Schweizer Grandhotel.

Warm hüllte mich die Federbettnacht, verheißungsvoll

der Hotelgang, dein Klopfen an der Tür;

wir wären liquide wie das herabstürzende Wasser

hinterm Haus, immer tanzend am Abgrund vor dem Aus.

Ich führe La Ferrari, du führest Bergbahn mit dem Fernsehteam;

Wir wären Basejumper, fielen von High La Mousse

und Flowerbox ins Lauterbrunnen-Tal.

Cool wäre das, alt könnten wir werden in Coolness.

Like gold hät es WHOOSH gmacht.

Traum endet, Schirm öffnet,

Landewiese.

Kühe.

Mairegen

Treffe mich im Mairegen

wie damals im Schatten der Gärten.

Mach nass mich wie Mairegen

im Dunkel des Baumsaums am Weg.

Treffe mich im Mairegen!

Es hat mir nicht gereicht zum Popliteraten;

meinen Flop-Attentaten

(wie rührend)

applaudiert nur ein harter, in Wahrheit ein ganz weicher Kern.

Treffe mich im Mairegen!

Im Mairegen!

Im Mairegen

wird schön sein die Nacht:

Gründunkel und duftend und sacht.

Bubblegum-Freitag gegen Mitte April

Vom Facharzt leichtfüßig zur Parfümerie:

am Bubblegum-Freitag, am Bubblegum-Freitag!

Die Kälte nun weniger feindlich dem Altern gegen Mitte April:

April, April, du schickst mich!

April, Aprilia, ewiges Kind,

verbranntes Gas noch Parfum und

die Eisportion extragroß für einen kleinen blonden Jungen.

Junges Sich-Ausprobieren auch heute noch; unendlich bekanntes Terrain lockt völlig

neu, doch eure Jugend zieht locker

im Tauschhandel eure Discountdessous übern Tisch;

derweil stimmt der an sich enttäuschende Duft

an meinen Händen mich begehrend –

Exsudat der Sehnsucht, die immer neu von vorn beginnt,

von vorn beginnt,

immer neu,

neu.      

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