Wenn im Oktober die Blätter fallen

Wenn im Oktober die Blätter fallen,

dann fallen sie allen, allen fallen sie zu.

Goldener Tag, geboren im Nebelsilber,

entbunden in flammendem Gold.

Weiche Dichter wärmt er und härteste Herzen,

weiches Licht durchdringt selbst  Stein.

Wenn im Oktober die Blätter fallen,

dann fallen sie allen, allen

Dichtern und Unerreichbaren zu.

Goldener Tag, im Vollbrand stehend im Spätnachmittag,

versunken bald im noch nachglühenden Dämmern.

Schlafen schickt er weiche Dichter und den ganzen Rest der Welt,

schickt sie an den besten weltentrückten Ort, 

ins Haus im Wald, ins Dunkel zu den Lämmern.

Oktoberlobers  Gedicht

Kreideweich graues Kissen im Westen,

Stütze für die orangerote Sonne im Versinken.

Kupfergrüner Kirchturm noch schwarze Silhouette,

Oktober:  Monat halbtauber Dichter:

Wie Wildschweine ziehen sie – auch eingeschränkt in ihrer Sicht-

durchs modrige Laub. Ich verbiete mir, es „raschelnd“ zu nennen,

wenngleich das es ist: raschelnd.

Geräusch goldenen Baumseins im Zerfall.

Alles scheint nun zu fallen: Äpfel fallen und Blätter,

Aurora Borealis fällt als Sternenstaub auf

eine hoffnungshungrige Welt.

Es fällt wohl ein jeder auf seine Weise; das

Laute wir leise, das Leise laut

in der Stille vorm Tageslicht.   

Tröstlich: Die Welt fällt wie Newtons Apfel und wir fallen nur mit.

Durchs  Ammertal

Die  Ernährungspyramide steht in Ägypten –

da komm ich viel zu selten hin.

Der Supermarkt bietet im Non-Food-Bereich

wieder Plüsch-Einhörner, eine ganze Familie:

Die kaufe ich alle  und stelle therapeutisch sie auf.

Die Gendernden erreichten nunmehr fast ihr Sternchen:

mit Space X, der neuesten Phallus-Rakete.

Altersflecken auf Rockstarhänden

streicheln – verstärkt ins Gigantische –

melancholisch die Griffbretter, die einst die Welt bedeuteten.

Die Verbrenner verbrannten den Hochmut.

Die Exportweltmeister wurden wegen Unlust vom Platz geschickt: Rote Karte!

Der Konsum erlag dem Ennui im Leerstand:

The ringing of the division bell had begun.

Die Schönen ertüchtigen sich weiter wie immer,

zur alten Mühle sprudelt im Fallen das Wasser wie seit Jahrhunderten,

vom alten Frühjahr zur Jugend des Oktoberträumens:

Stationen des Wachsens, des Heimkommens, des

Übershaarstreichelns – was werden wir träumen heute?

Das Ochsenpaar müdet seinen Weg hinauf,

der Karren  zu schwer mit dem Leichnam des Grafen, da sprach Sankt Remigius Einhalt,

gab den Stab weiter an Uhland.

Krypta und Hirtenknabe, Stein und Statue.

Weinberge und  Züge, die die Gleise streichen,

Mühlenrad, Mönche, Ritter, Traum und dann Ruhe.

Alla fiera dell’est

In einem Hinterhof im hippen Osten

(da, wo der hippe Westen zu teuer ist)

steht wacker die Herde für den Fotografen.

Der muss nicht viele Direktiven geben,

vielleicht „in die Kamera winken, bitte“,

denn wie von selbst bezieht die Herde Stellung.

Sie, die kaum je Stellung bezieht, teilt natürlich

sich auf in das preiswerte Jungvolk im Vordergrund,

derweil das Leitschaf – DJ-Vergangenheit weht als sexy Parfum-

umgibt cäsarengleich sich mit dicken Männern,         

baumlangem Marketing-Centurio, bärtig verschwitztem

Vertriebler an heißem Augustabend.

Prädiabetischen Zuckertand und einen Giftbecher

aus dem Vereinsgravurbedarf erhält

das Siegerteam des Teamgeistverstärkungsquiz.

Da lacht man doch, da lacht einer in der letzten Reihe:

Das debile Präruhestandsgrinsen im monalisazahngeschädigten Graubartgesicht.

Wie unwiderstehlich das pubertäre Fotobombing:

Wie dreizehn: die Hörnerfinger pubertär hinterm greisen Haupt (Erleichterung macht jung):

Das vielleicht mochte ich an dir,

deine zehn 50-Plus-Kilo stören mich nicht.

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